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Arzneimittelinduzierte Dystonie

Die arzneimittelinduzierte Dystonie ist eine Bewegungsstörung, die hauptsächlich durch die Wirkung von Antipsychotika und Antiemetika auf das extrapyramidale System hervorgerufen wird. Betroffene zeigen unterschiedliche, unwillkürliche Bewegungen und nehmen dabei abnorme Haltungen an.


Symptome

Patienten mit arzneimittelinduzierter Dystonie (AID) werden mit akuten Symptomen vorstellig, nämlich mit nicht zielorientierten und unwillkürlichen Kontraktionen mehrerer Muskelgruppen. Meist geht diesen Kontraktionen eine Behandlung mit Antipsychotika oder Antiemetika, zuweilen auch mit Antidepressiva oder Antiepileptika voraus. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um eine abschließende Aufzählung, denn auch andere Medikamente können eine AID auslösen [1] [2] [3]. Es wird vermutet, dass die Arzneimittel, die eine AID zu triggern vermögen, dopaminerge Systeme im zentralen Nervensystem hemmen. Diese Hypothese wird durch die Tatsache gestützt, dass die AID besonders häufig zu Beginn der Therapie oder nach einer Dosiserhöhung auftritt. Die Inzidenz der AID bei Patienten, die mit bestimmten Pharmaka behandelt werden, ist zudem umso höher, je potenter der Wirkstoff ist [4]. Mit Bezug auf Antipsychotika ist weiterhin zu erwähnen, dass Wirkstoffe der ersten Generation häufiger zur AID führen als Antipsychotika der zweiten Generation. Als Risikofaktoren zählen darüber hinaus Substanzmissbrauch, vor allem der übermäßige Konsum von Alkohol und Kokain, und eine familiäre Vorbelastung mit Dystonien [5]. Ältere Patienten sind seltener von einer AID betroffen als jüngere.

Die Bewegungsstörungen treten meist binnen Stunden nach erstmaliger Verabreichung von antipsychotisch wirksamen Medikamenten auf, bei Behandlung mit Antidepressiva innerhalb eines Monats nach Therapiebeginn [6]. Häufig betroffen ist die Gesichts- und Halsmuskulatur, wenngleich diese Beschränkung nicht als Ausschlusskriterium betrachtet werden sollte, denn im Wesentlichen kann jede Muskelgruppe betroffen sein. Während eines akuten Schubes kontrahieren die involvierten Muskeln und provozieren so ungewollte Bewegungen, denen der Patient durch Willkürbewegungen mehr oder weniger effektiv entgegenwirken kann:

  • Relativ oft beobachtet wird schnelles Blinzeln oder die Unfähigkeit, den Blick in eine bestimmte Richtung zu lenken bzw. die momentane Blickrichtung zu wechseln.
  • Zuckungen der Lippen sind ebenfalls typisch für die AID, darüber hinaus Dysarthrie, Dysphonie und bukkolinguale Krisen.
  • Spasmen der Rachen- oder Kehlkopfmuskulatur können zu einer Einengung der Atemwege führen [7].
  • Die anhaltende Kontraktion des Musculus sternocleidomastoideus resultiert dagegen in einem Torticollis.
  • Bei Beteiligung der Rückenmuskulatur nehmen die Patienten eine abnorme Körperhaltung an, zeigen beispielsweise einen Opisthotonus oder einen Tortipelvis.

Anhaltende Kontraktionen sind für den Patienten schmerzhaft [8].

Langfristig besteht das Risiko, dass sich aus der AID eine tardive Dyskinesie entwickelt, die auch als Dyskinesia tarda oder Spätdyskinesie bezeichnet wird.

Dystonie
  • Arzneimittelinduzierte Dystonie ICD-10 Diagnose G24.0 Diagnose: Arzneimittelinduzierte Dystonie ICD10-Code: G24.0 Der ICD10 ist eine internationale Klassifikation von Diagnosen.[med-kolleg.de]
  • Die arzneimittelinduzierte Dystonie ist eine Bewegungsstörung, die hauptsächlich durch die Wirkung von Antipsychotika und Antiemetika auf das extrapyramidale System hervorgerufen wird.[symptoma.com]
  • G24.1 Idiopathische familiäre Dystonie Inkl.: Idiopathische Dystonie o.n.A.[icd-code.de]
  • G24.4 Idiopathische orofaziale Dystonie G24.3 Torticollis spasticus G24.2 Idiopathische nichtfamiliäre Dystonie G24.1 Idiopathische familiäre Dystonie G24.0 Arzneimittelinduzierte Dystonie Links Suche nach anderen Begriffen Verwandte Codes & Kodierhinweise[medcode.ch]
Extrapyramidale Symptome
  • Die akuten Syndromen, die zu einer Dopamin-Antagonisten aufgrund längerer Exposition auftreten, sind kollektiv als extrapyramidale Symptome, EPS.[lebendom.com]
Hypophonie
  • Nach meinem letzten Aufenthalt in Elena Paracelsus Klinikum - Kassel im Februar 2015 verlor mein Tagesablauf immer mehr an bewegungsmäßiger Kontinuität und es entwickelte sich folgender, kurz umrissener Zustand:, Hypophonie/Dysarthrie/Apraxie/kompletter[parkinson-web.de]
Gesichtsschmerz
  • .: Atypischer Gesichtsschmerz (G50.1) Kopfschmerz o.n.A.[depri.forumo.de]
  • Hirnnerv] Trigeminusneuralgie Atypischer Gesichtsschmerz Sonstige Krankheiten des N. trigeminus Krankheit des N. trigeminus, nicht näher bezeichnet Krankheiten des N. facialis [VII.[heilbaeder-bw.de]

Diagnostik

Die Dystonie mindert die Lebensqualität des Patienten und der Zusammenhang zur auslösenden Medikation wird häufig erst spät erkannt, was eine langfristige Belastung des Patienten nach sich ziehen kann [9], auch wenn die AID-assoziierte Mortalität sehr gering ist [10].

Spezifische Tests, die die sichere Diagnose einer AID ermöglichen würden, sind nicht verfügbar. Der Verdacht auf eine AID sollte aufkommen, wenn in der Anamnese auf den engen zeitlichen Zusammenhang zu einer Therapie mit Medikamenten, die auf das zentrale Nervensystem wirken, hingewiesen wird. Die Bestätigung der Diagnose erfolgt meist erst, wenn der Patient auf eine entsprechende Therapie anspricht.

Therapie

  • Die Bestätigung der Diagnose erfolgt meist erst, wenn der Patient auf eine entsprechende Therapie anspricht.[symptoma.com]
  • In einigen Fällen kann eine zusätzliche medikamentöse Therapie zur Linderung der Beschwerden sinnvoll sein.[deximed.de]
  • Therapie Die einzige kausale Therapie bestünde im rechtzeitigen Absetzen des auslösenden Medikaments. Das ist jedoch oft nicht praktikabel, die Probleme werden zu spät erkannt.[de.wikipedia.org]
  • Ätiologie Symptome/Klinik Therapie Kodierung nach ICD-10-GM Version 2019[amboss.miamed.de]

Prognose

  • Prognose Die meisten medikamentenbedingten Bewegungsstörungen können durch das Absetzen des auslösenden Medikaments rückgängig gemacht werden.[deximed.de]

Epidemiologie

  • Epidemiologie psychischer Erkrankungen Stand: 04.07.2013 Scheinvergabekriterien für das Fach Psychiatrie und Psychotherapie Anwesenheitspflichtige Veranstaltungen 0327050 Integriertes Praktikum der Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie Mehr Informationsmaterial[docplayer.org]
Geschlechtsverteilung
Altersverteilung

Pathophysiologie

  • Die Pathophysiologie zugrunde liegenden diese Reaktionen ist unbekannt, aber die Bewegungen in der Regel in der Zeit, wenn der Blut Medikamente Niveau sinkt auf.[lebendom.com]

Quellen

Artikel

  1. Elliott ES, Marken PA, Ruehter VL. Clozapine-associated extrapyramidal reaction. Ann Pharmacother. 2000;34(5):615-618.
  2. Jhee SS, Zarotsky V, Mohaupt SM, Yones CL, Sims SJ. Delayed onset of oculogyric crisis and torticollis with intramuscular haloperidol. Ann Pharmacother. 2003;37(10):1434-1437.
  3. Tekin U, Soyata AZ, Oflaz S. Acute focal dystonic reaction after acute methylphenidate treatment in an adolescent patient. J Clin Psychopharmacol. 2015;35(2):209-211.
  4. van Harten PN, Hoek HW, Kahn RS. Acute dystonia induced by drug treatment. BMJ. 1999;319(7210):623–626.
  5. Zakariaei Z, Taslimi S, Tabatabaiefar MA, Arghand Dargahi M. Bilateral dislocation of temporomandibular joint induced by haloperidol following suicide attempt: a case report. Acta Med Iran. 2012;50(3):213-215.
  6. Hawthorne JM, Caley CF. Extrapyramidal Reactions Associated with Serotonergic Antidepressants. Ann Pharmacother. 2015;49(10):1136-1152.
  7. Munhoz RP, Moscovich M, Araujo PD, Teive HA. Movement disorders emergencies: a review. Arq Neuropsiquiatr. 2012;70(6):453–461.
  8. Dystonias information page. National Institute of Neurological Disorders and Stroke. Accessed March 26,2017.
  9. Dingli K, Morgan R, Leen C. Tetanus versus acute dystonic reaction caused by metoclopramide. BMJ. 2007;334(7599):899–900.
  10. Freudenreich O. Atypical laryngeal dystonia caused by an antiemetic. Am Fam Physician. 2004;69(7):1623.

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Zuletzt aktualisiert: 2019-06-28 08:40