Edit concept Question Editor Create issue ticket

Bakterielle Meningitis

Bakterielle Hirnhautentzündungzerebrale Meningitis durch Bakterien

Bakterielle Meningitis ist selten, verläuft aber in der Regel schwer und kann lebensbedrohlich sein, vor allem, wenn die Krankheit nicht frühzeitig diagnostiziert und behandelt wird.


Symptome

Das Auftreten der Symptome bei bakterieller Meningitis ist abrupt. Zunächst kommt es zu Kopfschmerzen, Erbrechen und Fieber. Es folgen Nackensteifigkeit und Rückenschmerzen.
In schweren Fällen kommt es zu Bewusstseinsstörungen, Verwirrung, Delirium, Lethargie und Koma. Das Vorhandensein von neurologischen Zeichen zeigt oft Komplikationen wie Hirnödem und Hydrocephalus an.

Zu den klassischen Zeichen von Meningitis bei der körperlichen Untersuchung gehören Nackensteifigkeit, Kernig-Zeichen und Brudzinski-Zeichen. Durch eine reflektorische Verspannung der Nackenmuskulatur kommt es zu Nackensteifigkeit bei Meningitis. Für das Kernig-Zeichen werden die Beine des Patienten bei gestrecktem Knie im Hüftgelenk gebeugt, wird das Knie aufgrund von Schmerzen abgewinkelt, ist das Kernig-Zeichen positiv. Bei positivem Brudzinski-Zeichen kommt es zu spontaner Beugung der Knie und Hüfte, wenn eine Nackenflexion versucht wird. Kernig- und Brudzinski-Zeichen sind positiv in rund 50% der Patienten mit Meningitis [4] [5]. Bei etwa 50% der Patienten mit Meningokokken-Meningitis können auch Purpura oder petechiale Ausschläge, hauptsächlich an den Extremitäten, auftreten.

Bei älteren Patienten sind die klassischen Zeichen der Meningitis oft nicht präsent und ein schleichender Beginn mit Lethargie, variablen Symptomen ohne Fieber tritt auf. Bei Neugeborenen kann Nackensteifigkeit und/oder Fieber fehlen, aber Reizbarkeit, Unruhe und Inappetenz auftreten.

Kopfschmerz
Krampfanfall
  • Krampfanfälle Krampfanfall Meningitis in 30–40 %; Hörverlust in 10–30 %.[eref.thieme.de]
Fokales neurologisches Defizit
  • Bei Bewusstseinsstörung oder fokalen neurologischen Defizit, fokal-neurologisches Defiziten erfolgt umgehend eine Erregerdiagnostik mit Blutkulturen und Nasenabstrich, dann die Gabe von Dexamethason und Antibiotika und erst danach cCT und Liquorpunktion[eref.thieme.de]
Kernig-Zeichen
  • Für das Kernig-Zeichen werden die Beine des Patienten bei gestrecktem Knie im Hüftgelenk gebeugt, wird das Knie aufgrund von Schmerzen abgewinkelt, ist das Kernig-Zeichen positiv.[symptoma.com]
Verwirrtheit
  • Meist kommen dann allerdings noch Verwirrtheit beziehungsweise Bewusstlosigkeit, Lichtempfindlichkeit und Nackensteifigkeit dazu. "Spätestens dann sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.[netdoktor.at]
Epilepsie
Schüttelfrost
  • Nach kurzem katarrhalischem Vorstadium, oft verbunden mit einem Herpes labialis, treten unter Schüttelfrost, Fieber und starken Kopfschmerzen Kopfschmerzen epidemische Meningitis Schüttelfrost epidemische Meningitis Herpes labialis die typischen Zeichen[eref.thieme.de]
Nausea
  • Die bakteriellen Meningitiden beginnen meist akut mit Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen, vegetativen Begleitsymptomen wie Nausea, Erbrechen, meist hohem Fieber, Photophobie Photophobie und Somnolenz.[eref.thieme.de]
Photophobie
  • Die bakteriellen Meningitiden beginnen meist akut mit Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen, vegetativen Begleitsymptomen wie Nausea, Erbrechen, meist hohem Fieber, Photophobie Photophobie und Somnolenz.[eref.thieme.de]
Nackenschmerz
  • Ruckartige pflegerische Aktionen sollten vermieden werden, da sie dem Patienten zusätzliche Kopf- und Nackenschmerzen verursachen.[eref.thieme.de]

Diagnostik

Die folgenden Untersuchungen sind hilfreich bei der Diagnosestellung von Meningitis.

  • Lumbalpunktion: Es liegt eine erhöhte Leukozytenzahl vor (neutrophile Granulozyten überwiegen). Die Proteinkonzentration ist ebenfalls oberhalb der Normalkonzentration von 45 mg/dl, Glukose ist erniedrigt. In 60 bis 90% der Fälle können die Erreger nach Gram-Färbung identifiziert werden. 
  • Blutbild: Entzündungstypische Veränderungen sind im Blut ersichtlich. Die Blutkultur für den Erreger kann positiv sein, auch wenn die Liquorkultur negativ ist.
  • Gerinnungstests sind notwendig, um disseminierte intravaskuläre Koagulation auszuschließen.
  • Nierenparemeter werden untersucht, um die Nierenfunktion zu überprüfen.

Therapie

Unterstützende Therapie

Die unterstützenden Behandlung von bakterieller Meningitis umfasst Bettruhe und die Überprüfung der Atemwege. Intravenöse Flüssigkeiten werden gegeben, um die Gefahr der Entwicklung von Dehydratation zu mindern.

Antimikrobielle Therapie

Bakterielle Meningitis wird zunächst mit empirischer intravenöser Antibiotikatherapie behandelt [6]. Sobald die Untersuchungsergebnisse vorliegen, wird die spezifische Antibiotikatherapie eingeleitet [7] [8]. Üblicherweise wird Benzylpenicillin für Meningokokken gegeben und Ceftriaxon kann als Alternative bei Patienten verwendet werden, die kein Penicillin tolerieren. Bei den Patienten mit Pneumokokkenmeningitis wird Ceftriaxon gegeben. Vancomycin oder Rifampicin, kann hinzugefügt werden, wenn der Erreger resistent ist. Hemophilus-Meningitis wird auch mit Ceftriaxon behandelt. Chloramphenicol kann als Alternative verwendet werden. Listeria-Meningitis wird mit Ampicillin oder Gentamycin, alternativ mit Cotrimoxazol behandelt.

Weitere medikamentöse Therapie

  • Mannitol: Mannitol wird bei den Patienten mit erhöhtem Hirndruck eingesetzt.
  • Glukokortikoide: Glukokortikoide sind wirksam bei der Verringerung der Häufigkeit von Hörverlust und neurologischen Defiziten bei Kindern [9] [10].
  • Antiepileptika: Wenn der Patient Anfälle entwickelt, kann Diazepam oder Phenytoin gegeben werden.

Prognose

Die Sterblichkeit von Patienten mit bakterieller Meningitis beträgt 19 bis 37% [3] und steigt, wenn die Krankheit nicht frühzeitig diagnostiziert und behandelt wird. Einige Komplikationen können sich bei bakterieller Meningitis entwickeln. Dazu gehören Sepsis, disseminierte intravaskuläre Koagulation, Schock, septische Arthritis, Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH) und neurologische Störungen.

Ätiologie

Die häufigsten Erreger der bakteriellen Meningitis sind die folgenden [1]:

  • Neisseria meningitidis: Dieser Erreger wird auch Meningokokken bezeichnet und breitet sich durch Tröpfcheninfektion aus. Der Organismus dringt durch den Nasen-Rachenraum ein und verursacht in der Regel Septikämie mit Meningitis.
  • Streptococcus pneumoniae: Streptococcus pneumoniae wird auch als Pneumokokken bezeichnet. Pneumokokkenmeningitis kann mit Mittelohrentzündung, Lungenentzündung und einer Fehlfunktion der Milz einhergehen [2].
  • Haemophilus influenza: Haemophilus Influenza-Infektion kann mit Mittelohrentzündung, Nebenhöhlenentzündung, Epiglottitis und Immunschwäche assoziiert sein.
  • Listeria monocytogenes: Dieser Erreger verursacht Meningitis bei immunsupprimierten Patienten, Diabetikern, Alkoholikern, Schwangeren, Neugeborenen und älteren Menschen.

Epidemiologie

In den entwickelten Ländern beträgt die Inzidenz der bakteriellen Meningitis 3-5:100.000 Menschen. Die Inzidenz ist in Entwicklungsländern höher.

Geschlechtsverteilung
Altersverteilung

Pathophysiologie

Die bakterielle Infektion verursacht eine akute entzündliche Reaktion der Pia mater und Arachnoidea mater. Bei eitriger Meningitis kommt es zu einer Eiteransammlung und abhängig von der Lokalisation unterscheidet man zwischen Hauben- oder Konvexitätsmeningitis und basaler Meningitis. Adhäsionen können entstehen, die den Fluss des Liquors behindern können.

Prävention

Familienmitglieder und enge Kontakte der Patienten von Meningokokken-Meningitis sollten eine prophylaktische Antibiotikatherapie für zwei Tage erhalten. Hierzu können Ciprofloxacin oder Rifampin in geeigneten Dosierungen verwendet werden. Eine Impfung ist auch für die Vorbeugung von Krankheiten durch Meningokokken erhältlich.

Zusammenfassung

Bakterielle Meningitis ist eine Entzündung der Meningen durch Bakterien, wie Neisseria meningitidis, Streptococcus pneumoniae, Haemophilus influenza und Listeria monocytogenes. Sie ist eine akute Erkrankung und kann tödlich sein, wenn sie nicht frühzeitig erkannt und behandelt wird. Die typischen Merkmale sind Fieber, Kopfschmerzen und Erbrechen, gefolgt von Nackensteifigkeit und neurologische Störungen. Der Grundpfeiler der Behandlung ist Antibiotikatherapie zusammen mit unterstützender Pflege.

Patientenhinweise

Eine bakterielle Meningitis ist die Entzündung der Gehirnhäute (Meningen) durch Bakterien. Die Patienten haben Fieber, Erbrechen, Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit und Bewusstseinsstörungen. Bakterielle Meningitis kann lebensbedrohlich sein, wenn sie nicht frühzeitig erkannt und mit Antibiotika behandelt wird.

Quellen

Artikel

  1. Christensen AC, Frederiksen W. [Etiology of bacterial meningitis]. Ugeskrift for laeger. Mar 14 1988;150(11):655-657.
  2. Vincent J, Sainaba MK, Rajagopalan KC. Bacterial etiology of meningitis with special reference to staphylococci. Indian pediatrics. Feb 1987;24(2):145-151.
  3. van de Beek D, de Gans J, Tunkel AR, Wijdicks EF. Community-acquired bacterial meningitis in adults. The New England journal of medicine. Jan 5 2006;354(1):44-53.
  4. Thomas KE, Hasbun R, Jekel J, Quagliarello VJ. The diagnostic accuracy of Kernig's sign, Brudzinski's sign, and nuchal rigidity in adults with suspected meningitis. Clinical infectious diseases : an official publication of the Infectious Diseases Society of America. Jul 1 2002;35(1):46-52.
  5. van de Beek D, de Gans J, Spanjaard L, Weisfelt M, Reitsma JB, Vermeulen M. Clinical features and prognostic factors in adults with bacterial meningitis. The New England journal of medicine. Oct 28 2004;351(18):1849-1859.
  6. van de Beek D, Brouwer MC, Thwaites GE, Tunkel AR. Advances in treatment of bacterial meningitis. Lancet. Nov 10 2012;380(9854):1693-1702.
  7. Thys JP. Diagnosis and treatment of bacterial meningitis. Resuscitation. Mar 1984;11(3-4):243-248.
  8. Kains JP, Thys JP. Principles of treatment of bacterial meningitis. Acta clinica Belgica. 1985;40(5):304-313.
  9. Brouwer MC, Heckenberg SG, de Gans J, Spanjaard L, Reitsma JB, van de Beek D. Nationwide implementation of adjunctive dexamethasone therapy for pneumococcal meningitis. Neurology. Oct 26 2010;75(17):1533-1539.
  10. van de Beek D, Farrar JJ, de Gans J, et al. Adjunctive dexamethasone in bacterial meningitis: a meta-analysis of individual patient data. The Lancet. Neurology. Mar 2010;9(3):254-263.

Frage stellen

5000 Zeichen übrig Text Formatierung mit: # Überschrift, **fett**, _kursiv_. Kein HTML Code.
Mit dem Abschicken der Frage stimmen Sie den AGB und der Datenschutzerklärung zu.
• Verwenden Sie einen aussagekräftigen Titel für Ihre Frage.
• Fragen Sie präzise und führen Sie Alter, Geschlecht, Symptome, Art und Dauer einer Behandlung an.
• Respektieren Sie Ihre Privatsphäre und jene Anderer und geben Sie niemals volle Namen oder Kontaktinformationen ein.
• Unpassende Fragen werden gelöscht.
• In dringenden Fällen suchen Sie einen Arzt oder ein Krankenhaus auf oder wählen den Notruf!
Zuletzt aktualisiert: 2019-07-11 19:39