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Direkter Leistenbruch

Ein direkter Leistenbruch (DL) ist eine Form der Hernie, bei der Baucheingeweide durch das Hesselbach-Dreieck, den Leistenkanal und den äußeren Leistenring vorfallen. Der Bruchinhalt liegt jedoch nicht im Processus vaginalis. Damit unterscheidet sich der DL pathogenetisch und für gewöhnlich auch klinisch von der indirekten Inguinalhernie. Die Therapie des DL erfolgt chirurgisch. Aufgrund der anatomischen Verhältnisse in der Leistengegend wird der DL zuweilen auch als mediale Inguinalhernie bezeichnet.


Symptome

Der Bruchsack ist meistens palpierbar und Betroffene suchen den Arzt auf, weil ihnen eine Umfangsvermehrung im Bereich der Leiste oder des Schrittes aufgefallen ist. In einigen Fällen ist diese Umfangsvermehrung nur bei bestimmter Positionierung und Körperhaltung wahrzunehmen. Der DL kann dem Patienten Schmerzen bereiten. Das Heben schwerer Lasten, Bewegungen mit Hüftbeugung, Husten, Stuhlabsatz oder Miktion können diese Schmerzen weiter verstärken, weil sie eine Verengung der Bruchpforte provozieren. Das gilt auch für alle anderen Aktivitäten, bei denen eine Erhöhung des intraabdominalen Druckes forciert wird. Im Liegen lassen die Schmerzen oft nach. Möglicherweise sind intermittierende Schmerzen das einzige Symptom des DL, aber auch schmerzlose Prozesse, in denen allein eine Gewebeschwellung registriert wurde, wurden beschrieben [1]. Insbesondere chronische Hernien bereiten nur selten Schmerzen.

Im Vergleich zur indirekten Inguinalhernie sind die Ausmaße des Bruchsackes recht begrenzt; der Bruchsack der indirekten Leistenhernie ist häufig größer und reicht bis zum Skrotum bzw. bis zu den großen Schamlippen herab. Das Risiko, dass sich aus einem DL eine strangulierte Hernie entwickelt, ist relativ gering - aber eine Strangulation ist nicht ausgeschlossen [2] [3]. In aller Regel finden sich im Bruchsack Verdauungsorgane, aber auch Anteile des Urogenitaltraktes, Bindegewebe und Fett können in den Leistenkanal vorfallen [4]. Die Unterbrechung der Blutversorgung und Drainage dieser Gewebe führt zu konstitutiven Symptomen wie Fieber, Übelkeit und Erbrechen. Daher muss ein DL-Patient, der sich so präsentiert, sofort medizinisch versorgt werden.

Diagnostik

Die Diagnose wird anhand des klinischen Befundes gestellt. Unter Umständen ist es notwendig, den Patienten im Stehen oder unter Hüftbeugung zu untersuchen, um den Bruchsack palpieren zu können. Er kann auch zum Husten aufgefordert werden, damit bei erhöhtem intraabdominalen Druck Baucheingeweide durch die Bruchpforte vorfallen. Übergewicht und Fettleibigkeit können die Palpation des Bruchsackes trotz all dieser Maßnahmen unmöglich machen.

Bei Zweifeln an der Diagnose sowie zur Identifikation und Charakterisierung des Bruchinhalts findet die Bildgebung Anwendung. In der Sonographie steht dem Untersucher eine spezifisches und sensitives Verfahren zur Verfügung, dass zudem keine Strahlenexposition bedeutet und preisgünstig ist. Es ist wichtig, auf Gewebeschäden und Gefäßstrukturen zu achten, die eine Strangulation anzeigen könnten. Bei Verdacht auf Gewebsnekrosen oder die Perforation von Hohlorganen im Bruchsack ist von der Verwendung von Kontrastmitteln wie Bariumsulfat abzusehen, andernfalls lässt sich mit deren Hilfe die Passage durch das vorgefallene Organ sehr gut darstellen.

Bei unkompliziertem DL und sicherer Diagnose ist eine umfangreiche bildgebende Diagnostik nicht notwendig. Die Bestätigung der Diagnose erfolgt in solchen Fällen explorativ, wobei der chirurgische Eingriff nach Möglichkeit zur Repositionierung des Bruchinhaltes und zum Verschluss der Bruchpforte genutzt werden sollte [3] [5].

Blutuntersuchungen sind angezeigt, wenn der Betroffene systemische Komplikationen zeigt oder der Verdacht auf prädisponierende Erkrankungen besteht.

Therapie

  • Die Therapie des DL erfolgt chirurgisch. Aufgrund der anatomischen Verhältnisse in der Leistengegend wird der DL zuweilen auch als mediale Inguinalhernie bezeichnet.[symptoma.com]

Quellen

Artikel

  1. Chung L, Norrie J, O'Dwyer PJ. Long-term follow-up of patients with a painless inguinal hernia from a randomized clinical trial. Br J Surg. 2011; 98(4):596-599.
  2. Awad ZT. Direct inguinal hernia strangulating through the superficial inguinal ring. Ir Med J. 2001; 94(10):313.
  3. Metzger J. [Is the presence of an asymptomatic inguinal hernia enough to justify repair?]. Praxis (Bern 1994). 2015; 104(23):1259-1263.
  4. Ogul H, Yuce I, Eren S, Kantarci M. Bilateral inguinal hernia with uncommon content. Can J Gastroenterol. 2013; 27(1):14.
  5. Kohler A, Beldi G. [Asymptomatic inguinal hernia: is there an indication for surgery]. Ther Umsch. 2014; 71(12):775-780.

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Zuletzt aktualisiert: 2019-07-11 19:40