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Eisenvergiftung

Die Diagnose Eisenvergiftung (EV) wird hauptsächlich in der Pädiatrie gestellt. Initiale Beschwerden sind auf eine akute Gastroenteritis zurückzuführen, während sich dann Symptome eines Leber- und Nierenversagens einstellen können. In schweren Fällen kommt es zum lebensbedrohlichen Schock.


Symptome

Kinder werden unter Umständen dem Arzt vorgestellt, bevor sich Symptome einstellen, nämlich dann wenn die Aufsichtspersonen vermuten, dass sie eisenhaltige Präparate eingenommen haben. Wenn die Gesamtdosis, die vom Patienten geschluckt wurde, weniger als 20 mg/kg KGW beträgt, sind hier auch keine gesundheitlichen Folgen zu erwarten. Wurde eine höhere Dosis eingenommen, dann entwickelt sich zunächst eine Gastroenteritis, die bei Betroffenen zu abdominellen Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Diarrhoe führt. Besonders bei Hämatemesis oder hämorrhagischer Diarrhoe, die nicht anderweitig erklärt werden kann, sollte immer auch an eine EV gedacht werden [1]. Es sei darauf hingewiesen, dass erwachsene EV-Patienten nicht notwendigerweise über Bauchschmerzen und Erbrechen klagen.

Schwere gastrointestinale Symptome können schnell mit systemischen Komplikationen der EV überlagern, so zum Beispiel mit einer Hypotonie [2], Tachykardie, metabolischen Azidose und Bewusstseinstrübungen, die bis zum Koma reichen. Häufig schließt sich dieser Phase eine etwa eintägige Periode der scheinbaren Remission an, bevor sich am nächsten Tag eine hochgradige Azidose, Fieber, Konvulsionen, eine Koagulopathie und möglicherweise ein Schock einstellt [3]. Nach mehrtägiger Erkrankung kann ein Ikterus hinzukommen, der mit einer Hypoglykämie einhergeht und ein Leberversagen anzeigt [4]. Noch später können neue gastrointestinale Symptome auftreten, die sich aus der narbigen Abheilung der Schleimhautläsionen und einer folgenden Obstruktion des Pylorus oder Darmlumens ergeben [5]. Die genannten Zeiträume sind nur als Richtwerte zu verstehen und können wesentlich kürzer ausfallen, wenn hohe Dosen Eisen eingenommen werden [3].

Der Schweregrad der anfänglichen Magen-Darm-Beschwerden erlaubt eine Einschätzung des Schweregrades der Intoxikation. Wenn sich gastrointestinale Symptome nicht einstellen, dann ist es sehr unwahrscheinlich, dass sich die zuvor genannten, potenziell lebensbedrohlichen Komplikationen entwickeln.

Atemnot
  • Nach diesen frühen Symptomen können sich innerhalb von 48 Stunden nach der Eisenüberdosierung andere schwerwiegende Komplikationen entwickeln, wie: Schwindel niedriger Blutdruck und schneller oder schwacher Puls Kopfschmerzen Fieber Atemnot und Flüssigkeit[oldmedic.com]
Magenspülung
  • Eine Magenspülung (z.B. mit 1%iger Natriumhydrogencarbonat -Lösung) ist in der Regel nicht ausreichend, effektiver ist ein induziertes Erbrechen.[flexikon.doccheck.com]
  • In einigen Fällen werden die Ärzte den Magen über nasale Magenspülung zu pumpen. Dies ist normalerweise nur dann, wenn das Kind behandelt wird während der ersten Stunde nach der Eisenvergiftung aufgetreten.[surgenkraft.com]
Nekrose
  • Mögliche Komplikationen sind Hirnödem, Herzinsuffizienz, toxische Hepatitis mit Leberversagen und Nierentubulus - Nekrose.[flexikon.doccheck.com]

Diagnostik

Gemeinsam mit den Eltern oder sonstigen Aufsichtspersonen sollte die Möglichkeit einer EV eruiert und die maximal eingenommene Menge an Eisen ermittelt werden. Selbst wenn kein Verdacht diesbezüglich vorliegt, sind Kinder, die mit hochgradiger gastrointestinaler Problematik, Hämatemesis, hämorrhagischer Diarrhoe und/oder metabolischer Azidose vorstellig werden, immer verdächtig auf eine EV [1]. Je nach Darreichungsform und Konzentration der ingerierten Präparate können diese sogar auf Röntgenaufnahmen dargestellt werden, aber diesbezüglich ist ein Negativbefund kein Ausschlusskriterium.

Die Untersuchung einer Blutprobe kann einen erhöhten Serumspiegel an Eisen offenbaren (>350 µg/dl oder >64 µmol/l), und eine metabolische Azidose. Auch Störungen des Wasser- und Elektrolythaushalts und Alterationen hepatischer und renaler Parameter sind regelmäßig festzustellen [4]. Zuweilen werden zudem eine Anämie und Leukozytose detektiert. Sind weniger als drei Stunden seit der Einnahme der eisenhaltigen Präparate vergangen, sind falsch negative Befunde wahrscheinlich. Insbesondere erlaubt eine frühe Messung der Serumkonzentration des Eisens keine Einschätzung zu insgesamt konsumierten Dosis. Deshalb sind die genannten Messungen wiederholt anzustellen, bis mindestens sechs Stunden nach der akzidentellen Einnahme vergangen sind.

Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Eisenbindekapazität des Blutes von der Leberfunktion und weiteren Faktoren abhängt, sodass eine Beurteilung des Patienten nie allein anhand des Serumeisens, sondern immer unter Berücksichtigung seines Gesamtzustandes, dem Erkrankungsverlauf und der Entwicklung von Laborbefunden über die Zeit erfolgen sollte.

Therapie

  • Schwere Fälle erfordern eine intravenöse Chelat-Therapie. IV Chelat-Therapie nutzt die chemische Deferoxamin, das Eisen bindet und bewirkt, dass es in den Urin ausgeschieden werden.[surgenkraft.com]
  • Bei Aufnahme einer größeren Substanzmenge erfolgt die Behandlung mit einer Darmspülung sowie einer Chelat-Therapie mit Deferoxamin i.v. Viele der üblichen rezeptfreien Medikamente enthalten Eisen.[msdmanuals.com]
  • Darstellung von Eisentabletten im Gastrointestinaltrakt 6 Therapie Es ist auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten.[flexikon.doccheck.com]
  • Es sei "unethisch, den Patienten die geeignete Therapie vorzuenthalten", sagt Schaub. Dabei steht in den Beipackzetteln der Eisenpräparate ausdrücklich, die Therapie sollte zunächst mit Tabletten oder Säften begonnen werden.[spiegel.de]

Quellen

Artikel

  1. Singhi SC, Baranwal AK, M J. Acute iron poisoning: clinical picture, intensive care needs and outcome. Indian Pediatr. 2003; 40(12):1177-1182.
  2. Skoczynska A, Kwiecinska D, Kielbinski M, Lukaszewski M. Acute iron poisoning in adult female. Hum Exp Toxicol. 2007; 26(8):663-666.
  3. Valentine K, Mastropietro C, Sarnaik AP. Infantile iron poisoning: challenges in diagnosis and management. Pediatr Crit Care Med. 2009; 10(3):e31-33.
  4. Robertson A, Tenenbein M. Hepatotoxicity in acute iron poisoning. Hum Exp Toxicol. 2005; 24(11):559-562.
  5. Chang TP, Rangan C. Iron poisoning: a literature-based review of epidemiology, diagnosis, and management. Pediatr Emerg Care. 2011; 27(10):978-985.

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Zuletzt aktualisiert: 2019-07-11 19:46