Edit concept Question Editor Create issue ticket

Faktor-XI-Mangel

Rosenthal-Syndrom

Faktor-XI-Mangel (F11M) ist eine seltene Koagulopathie, die auch als Hämophilie C bezeichnet wird. Der Gerinnungsfaktor XI ist in das intrinsische System involviert, wird durch Faktor XIIa in Faktor XIa umgewandelt und aktiviert dann seinerseits Faktor IX. Im Vergleich zu anderen Hämophilien verläuft der F11M recht mild.


Symptome

Die Hämophilie C gilt als seltene Koagulopathie und ihre Prävalenz wird auf etwa 1/100.000 Personen geschätzt [1]. Eine wesentlich höhere Prävalenz besteht unter aschkenasischen Juden, einer Bevölkerungsgruppe, in der häufig Ehen unter Blutsverwandten geschlossen wurden, sodass sich drei Gründerdefekte ausbreiten konnten [2]. Bis zu 8% der aschkenasischen Juden leiden an einem F11M.

Faktor XI ist ein gerinnungsförderndes Protein, weshalb ein F11M mit einer gewissen Blutungsneigung einhergeht. Spontane Blutungen treten hier jedoch sehr selten auf, sodass die Erkrankung oft lange Zeit unbemerkt bleibt. Zuweilen besteht eine Tendenz zu Zahnfleischblutungen oder zur Epistaxis [3], aber Hämorrhagien im Gastrointestinaltrakt oder im zentralen Nervensystem kommen praktisch nicht vor. Das gilt auch für Einblutungen in die Muskulatur und Gelenke, die typisch für die Hämophilie A und Hämophilie B sind - sie werden bei F11M-Patienten für gewöhnlich nicht beobachtet.

Bei betroffenen Mädchen und Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter dauert die Menstruation zuweilen mehr als eine Woche an und ist zudem ungewöhnlich stark [4]. Möglicherweise führt die Menorrhagie zur Anämie, die jedoch meist nicht symptomatisch wird. Ebenfalls kann eine unverhältnismäßig intensive und anhaltende postpartale Blutung das erste Anzeichen für eine Hämophilie sein. Ein weiteres Szenarium, dass unter Umständen zum Erkennen des F11M führt, ist eine verstärkte intra- und postoperative Blutungsneigung [5].

Diagnostik

Der Algorithmus zur Identifikation des F11M entspricht dem allgemeinen Ansatz zur Abklärung einer hämorrhagischen Diathese. Zunächst werden Blutuntersuchungen und Koagulationsstudien angestellt:

  • In Blutbild und Blutchemie ist vor allem auf Anzeichen einer (Blutungs-)anämie, veränderten Thrombozytenzahlen, Hinweisen auf Hepatopathien und die Konzentration einzelner Gerinnungsfaktoren zu achten. Ein hereditärer F11M kann mit einer Anämie einhergehen und bedeutet natürlich erniedrigte Konzentrationen des Faktor XI, aber alle übrigen Parameter sollten im Referenzbereich liegen. Besteht ein F11M aufgrund einer eingeschränkten hepatischen Proteinbiosynthese, so sind in der Regel auch weitere Gerinnungsfaktoren betroffen. Bei einer gleichzeitig reduzierten Synthese antikoagulatorischer Faktoren kann sich sogar eine Thrombophilie entwickeln.
  • Da der Faktor XI in das intrinsische System der Blutgerinnung involviert ist, ist bei einem F11M eine verlängerte partielle Thromboplastinzeit zu erwarten. Im Gegensatz dazu sind die Prothrombinzeit bzw. der Quick-Wert und die Thrombinzeit jedoch nicht pathologisch verändert. Bezüglich der Gerinnungsstudien werden ähnliche Ergebnisse erzielt, wenn die intrinsische Blutgerinnung an anderer Stelle unterbrochen ist, z.B. bei Faktor-VIII-Mangel, Faktor-IX-Mangel und Faktor-XII-Mangel [3].

Wenn eine Störung der intrinsischen Gerinnungskaskade mit alleiniger Reduktion der Plasmakonzentration des Faktor XI festgestellt wurde, kann die Diagnose F11M gestellt werden. Mit Hilfe genetischer Analysen lässt sich gegebenenfalls die kausale Mutation nachweisen, was sowohl die familiäre Aufarbeitung als auch die Pränataldiagnostik erleichtert. Außerdem besteht ein Zusammenhang zwischen der jeweiligen Sequenzanomalie und dem individuellen Risiko zur Bildung von inhibitorischen Antikörpern, sodass aus dem Genotyp abgeleitet werden kann, wie ein Patient langfristig zu behandeln ist [6]. Bis heute wurden mehr als 200 Mutationen beschrieben, die zu einem F11M führen können [1].

Therapie

  • Eine Faktor XI-Konzentration von 3 Therapie Ein Gerinnungsfaktorenkonzentrat, wie bei Hämophilie A oder Hämophilie B, steht für die "Hämophilie C" nicht zur Verfügung, jedenfalls nicht in Deutschland.[flexikon.doccheck.com]

Prognose

  • Schlechter ist die Prognose, wenn der Patient begleitend zu dem Faktor-XI-Mangel an einer Autoimmunschwäche oder an einem Hautleiden erkrankt ist. Dies kann innere und äußere Blutungen begünstigen und dadurch die Prognose verschlechtern.[medlexi.de]
  • Prognose Die Hämophilie tritt oftmals bereits im Kindesalter auf. Mithilfe individueller Therapiemaßnahmen können die Symptome gering gehalten werden; schlägt die Behandlung nicht an, kann es allerdings zu einer Verstärkung der Symptome kommen.[deximed.de]
  • Hämophilie: Krankheitsverlauf und Prognose Die Hämophilie ist bislang nicht heilbar. Die Patienten müssen ihr Leben lang mit dem Mangel an Gerinnungsfaktoren zurecht kommen.[netdoktor.de]

Epidemiologie

  • […] in der Lysetherapie beim Schlaganfall Kombinierte Gerinnungsstörungen Von-Willebrand-Jürgens-Syndrom (vWS) Kurzbeschreibung : Beim von-Willebrand-Jürgens-Syndrom liegt ein quantitativer oder qualitativer Mangel des von-Willebrand-Faktors ( vWF ) vor Epidemiologie[amboss.com]
Geschlechtsverteilung
Altersverteilung

Pathophysiologie

  • Um die Symptome und Befunde einem bestimmten Krankheitsbild zuordnen zu können, ist ein Grundverständnis der Pathophysiologie der Gerinnung sehr wichtig.[amboss.com]

Quellen

Artikel

  1. Duga S, Salomon O. Congenital factor XI deficiency: an update. Semin Thromb Hemost. 2013; 39(6):621-631.
  2. Peretz H, Salomon O, Mor-Cohen R, et al. Type I mutation in the F11 gene is a third ancestral mutation which causes factor XI deficiency in Ashkenazi Jews. J Thromb Haemost. 2013; 11(4):724-730.
  3. Palla R, Peyvandi F, Shapiro AD. Rare bleeding disorders: diagnosis and treatment. Blood. 2015; 125(13):2052-2061.
  4. Knol HM, Mulder AB, Bogchelman DH, Kluin-Nelemans HC, van der Zee AG, Meijer K. The prevalence of underlying bleeding disorders in patients with heavy menstrual bleeding with and without gynecologic abnormalities. Am J Obstet Gynecol. 2013; 209(3):202.e201-207.
  5. Heim MU, Lutze G, Aumann V, Schumacher J, Freigang B. [Postoperative haemorrhagia in a girl with congenital factor XI deficiency - successful treatment with desmopressin (DDAVP, Minirin(R))]. Klin Padiatr. 2002; 214(3):128-131.
  6. Salomon O, Zivelin A, Livnat T, Seligsohn U. Inhibitors to Factor XI in patients with severe Factor XI deficiency. Semin Hematol. 2006; 43(1 Suppl 1):S10-12.

Frage stellen

5000 Zeichen übrig Text Formatierung mit: # Überschrift, **fett**, _kursiv_. Kein HTML Code.
Mit dem Abschicken der Frage stimmen Sie den AGB und der Datenschutzerklärung zu.
• Verwenden Sie einen aussagekräftigen Titel für Ihre Frage.
• Fragen Sie präzise und führen Sie Alter, Geschlecht, Symptome, Art und Dauer einer Behandlung an.
• Respektieren Sie Ihre Privatsphäre und jene Anderer und geben Sie niemals volle Namen oder Kontaktinformationen ein.
• Unpassende Fragen werden gelöscht.
• In dringenden Fällen suchen Sie einen Arzt oder ein Krankenhaus auf oder wählen den Notruf!
Zuletzt aktualisiert: 2019-07-11 19:44