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Koro

Koro bezeichnet eine psychiatrische Störung. Betroffene sind fest davon überzeugt, dass ihre Genitalien oder Brüste schrumpfen oder ganz und gar verschwinden, ohne dass sich hierfür irgendwelche Beweise finden ließen. Koro-Patienten leiden meist gleichzeitig unter einer schweren Angststörung. Weil keine organischen Anomalien vorliegen, erfolgt die Behandlung psychiatrisch.


Symptome

Menschen unterschiedlicher Ethnien können an Koro erkranken, aber besonders häufig wird über Fälle in China, Südostasien und Afrika berichtet [1] [2]. Den entsprechenden Publikationen zufolge tritt Koro epidemieartig auf und ein Einfluss der Medien auf die Art und Weise, wie Menschen ihre Geschlechtsorgane und Brüste wahrnehmen, ist sehr wahrscheinlich [2] [3] [4]. Dem entgegen stehen Berichte aus Europa und Nordamerika, die bislang aber immer als Einzelfälle beschrieben wurden [5].

Die Krankheit beginnt zumeist mit einer Panikattacke, die der Betroffene erlebt, während er allein ist. Während dieser Panikattacke fühlt er sich in seiner Mobilität eingeschränkt, kann sich nur schwer artikulieren, leidet an Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen [2]. Einige Patienten verlieren das Bewusstsein, weil sie glauben, zu erkennen, dass ihre äußeren Genitalien schrumpfen, der Penis oder die Schamlippen, oder auch die Brüste und Brustwarzen. Diese Vorstellung allein kann bereits zu einer ausgeprägten Angststörung führen, aber letztere wird weiter verstärkt, da in den beschriebenen Kulturkreisen der Glaube verankert ist, dass das Schrumpfen dieser Organe zu Impotenz, Unfruchtbarkeit und schließlich zum Tode führen könne [1]. Zudem ist in den betroffenen Ethnien der Wert einer Person zuweilen an die Größe der Geschlechtsorgane und Brüste und ihre Fähigkeit zur Fortpflanzung gebunden, sodass der Koro-Patient typischerweise auch soziale Konsequenzen befürchtet. In manchen Fällen wird die initiale Panikattacke durch Kälte getriggert, die physiologischerweise zu einer reversiblen Retraktion der äußeren Genitalien führt, was vom Betroffenen aber nicht erkannt wird. In anderen Fällen kann kein Auslöser identifiziert werden.

Die körperliche Allgemeinuntersuchung bleibt ohne pathologischen Befund, insbesondere können keine Anomalien der Genitalien festgestellt werden, es sei denn, sie resultieren aus sekundären Läsionen. Werden die Patienten darauf aufmerksam gemacht, dass ihre Geschlechtsorgane normal gestaltet und von normaler Größe sind, reagieren sie oft überrascht und behaupten, sie hätten sich soeben wieder entwickelt oder wären ursprünglich größer gewesen [3].

Schwitzen
  • Typische angstbezogene Symptome wie Kälteschauer, Blässe, Schwitzen, Unruhe treten auf. Charakteristisch ist auch das Festhalten oder Ziehen des Penis mit den Händen oder unter Zuhilfenahme von speziellen Geräten.[de.wikipedia.org]

Diagnostik

Koro ist als kulturgebundenes Syndrom definiert [5], weshalb die Diagnose der Erkrankung nach eingehender kultureller Anamnese und psychologischer Untersuchung erfolgt. Das klinische Bild vor entsprechendem ethnischen Hintergrund ist eindeutig, aber es ist darauf zu achten, dass Koro nicht selten gemeinsam mit weiteren psychischen Störungen auftritt. So nehmen beispielsweise Patienten, die zusätzlich an einer Dysmorphophobie leiden, ihren eigenen Körper auch anderweitig verzerrt wahr und die Koro-assoziierte Angststörung ist bei ihnen oft chronisch, während ein gewöhnlicher Koroanfall nach Stunden bis wenigen Tagen abklingt [2]. Im Zusammenhang mit Koro wurde berichtet, dass Betroffene den Eindruck hatten, der Tonus ihres Penis würde sich verändern oder er würde seine Form oder Farbe wechseln; eine Patientin beschrieb, dass sie zu sehen glaubte, wie sich ihre Vagina verschloss [3]. Weiterhin wird manchmal ein kompulsives Verhalten beobachtet, mit dem die Retraktion der Geschlechtsorgane aufgehalten werden soll. Dazu werden verschiedene Klemmen und Schlingen verwendet, was unter Umständen zu schweren Verletzungen führen kann.

Therapie

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Quellen

Artikel

  1. Mattelaer JJ, Jilek W. Koro--the psychological disappearance of the penis. J Sex Med. 2007; 4(5):1509-1515.
  2. Kovács A, Osváth P. Genital retraction syndrome in Korean woman. A case of Koro in Hungary. Psychopathology. 1998; 31(4):220-224.
  3. Dzokoto VA, Adams G. Understanding genital-shrinking epidemics in West Africa: koro, juju, or mass psychogenic illness? Cult Med Psychiatry. 2005; 29(1):53-78.
  4. Kumar R, Phookun HR, Datta A. Epidemic of Koro in North East India: an observational cross-sectional study. Asian J Psychiatr. 2014; 12:113-117.
  5. Crozier I. Making up koro: multiplicity, psychiatry, culture, and penis-shrinking anxieties. J Hist Med Allied Sci. 2012; 67(1):36-70

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Zuletzt aktualisiert: 2019-07-11 19:52