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MERRF-Syndrom

Anfallskrankheit mit kurzen ruckartigen Muskelzuckungen und ragged red Muskelfasern MERRF; Myoklonusepilepsie mit ragged red fibers

MERRF steht für "myoclonic epilepsy with ragged-red fibers", was im Deutschen etwa soviel bedeutet wie "myoklonische Epilepsie mit gerissenen roten Fasern". Beim MERRF-Syndrom handelte sich um eine seltene, multisystemische Erkrankung, die auf Sequenzanomalien in der mitochondrialen DNA beruht. Betroffene entwickeln vor allem muskuläre und neurologische Symptome, die sich in der Kindheit oder Jugend erstmalig manifestieren. Das klinische Bild variiert recht stark, auch wenn die Patienten miteinander verwandt sind.


Symptome

Patienten, die am MERRF-Syndrom leiden, werden in der Regel mit Beschwerden vorstellig, die vorwiegend auf Störungen im peripheren und/oder zentralen Nervensystem, der Herz- oder okulären Muskulatur zurückzuführen sind:

  • Leitsymptom des MERRF-Syndroms sind Myoklonien, d.h. es kommt zu unwillkürlichen, kurz andauernden Kontraktionen der Gliedmaßenmuskulatur [1]. Weitere Anzeichen für diese genetisch bedingte Erkrankung sind progressive Spastizität, Muskelschwäche und fortschreitende externe Ophthalmoplegie, periphere Neuropathien, Optikusatrophie und Hörverlust.
  • In vielen Fällen wird auch über Krampfanfälle, Ataxie, Gedächtnisstörungen im Sinne einer Demenz und psychiatrische Auffälligkeiten wie eine Depression berichtet. In der neurologischen Untersuchung sind zudem Pyramidenzeichen festzustellen.
  • Die Beteiligung des Herz-Kreislauf-Systems am Krankheitsgeschehen zeigt sich zumeist als dilatative Kardiomyopathie, die aber erst nach einer Phase der normalen Entwicklung diagnostiziert werden kann [2]. Patienten mit MERRF-Syndrom leiden mitunter auch an Herzrhythmusstörungen, kreisender Erregung und Wolff-Parkinson-White-Syndrom, ventrikulären Extrasystolen und einem partiellen Linksschenkelblock. Die genannten Kardiopathien können in eine linksventrikuläre Insuffizienz münden, die entweder subklinisch bleibt oder zum symptomatischen Herzversagen führt. Auch Schlaganfälle bzw. Episoden mit ähnlicher Symptomatik wurden im Zusammenhang mit dem MERRF-Syndrom beschrieben [3] [4] [5].
  • Darüber hinaus treten weitere Symptome auf, die nicht muskulär oder neurologisch bedingt sind, nämlich vermehrte Müdigkeit, ein genereller Minderwuchs, pigmentäre Retinopathie, Dyspnoe und Belastungsintoleranz, rekurrentes Erbrechen und Bauchschmerzen.
  • Manche Patienten mit MERRF-Syndrom leiden zugleich an einem atypischen Morbus Charcot-Marie-Tooth oder Leigh-Syndrom, an Diabetes mellitus oder migräneartigen Kopfschmerzen [6]. Seltener besteht eine spasmodische Dysphonie [7], eine akute demyelisierende Erkrankung [8] oder es kommt zum plötzlichen Kindstod [9].
Chronisch progressive externe Ophthalmoplegie
  • B. das MELAS-Syndrom (Myopatie, Enzephalopathie, Laktatazidose, Schlaganfall-ähnliche Episoden), das MERRF-Syndrom (Myoclonic Epilepsy with Ragged Red Fibers), CPEO (Chronisch progressive externe Ophthalmoplegie), LHON (Lebersche hereditäre Optikusneuropathie[jameda.de]
  • 01.09.2012 Schwerpunkt Ausgabe 3/2012 Zeitschrift: medizinische genetik Ausgabe 3/2012 Zusammenfassung Die häufigste Manifestation einer Mitochondriopathie bei Erwachsenen ist die chronisch progressive externe Ophthalmoplegie (CPEO), die eine variable[springermedizin.de]
  • Klinik / Indikation Genetik Diagnostik Material Kontakt Mitochondriopathien Erkrankung Gen OMIM Alpers-Huttenlocher Syndrom POLG 203700 Chronisch progressive externe Ophthalmoplegie (CPEO) MTTL1, MTTA, MTTN, MTTI , MTTL2, POLG 530000 Diabetes-Deafness[genetik-dresden.de]
  • Die hKMP wurde bisher beim MELAS-Syndrom (Myopathie, Enzephalopathie, Laktatazidose, Schlaganfall-ähnliche [„stroke-like“] Episoden), beim MERRF-Syndrom (Myoklonus-Epilepsie mit „ragged red fibers“), bei der chronisch progressiven externen Ophthalmoplegie[ch.universimed.com]
Klonus
  • Das MERRF-Syndrom äußert sich in einer Klonus klonischen Muskelspastik, epileptischen Anfällen, Kleinhirn-Ataxie und in mikroskopisch sichtbaren Veränderungen an der Muskulatur, genannt ragged red fibers (RRF, dtsch. ''zottige rote Fasern).[krankheiten.de]
Myopathie
  • Das MERRF-Syndrom (von engl. myoclonic epilepsy with ragged red fiber) ist eine Krankheit, die zu der Gruppe der mitochondrialen Myopathien gerechnet wird.[de.wikipedia.org]
  • Das MERRF-Syndrom (von myoclonic epilepsy with ragged-red fiber disease ) ist eine Krankheit, die zu der Gruppe der Mitochondriale Myopathie mitochondrialen Myopathien gerechnet wird.[krankheiten.de]
  • Vakuolen) Miyoshi-Myopathie: sehr hohe CK-Werte, Nekrosen, Entzündliche Infiltrate möglich, keine Vakuolen, Dysferlin-Mutationen Myofibrilläre Myopathie: Unterschenkel, Hände, Deminopathie Distale Myopathie bei Thelethoninopathie (distale Form der LGMD[de.wikibooks.org]
  • .: MELAS-Syndrom [Myopathy, Encephalopathy, Lactic Acidosis, Stroke-like episodes] [Myopathie, Enzephalopathie, Laktatazidose, iktus-ähnliche zerebrale Anfälle] MERRF-Syndrom [Myoclonus Epilepsy with Ragged-Red Fibres] Mitochondriale Myoenzephalopathie[icd-code.de]
  • MMC ( OMIM 251900 ): Maternale Myopathie und Kardiomyopathie. NARP ( OMIM 551500 ): Neurogene Myopathie, Ataxie, Retinitis pigmentosa sowie fakultativ sensible Polyneuropathien, Anfälle und Demenz.[genetik-dresden.de]

Diagnostik

Eine entsprechende familiäre Anamnese und in der Allgemeinuntersuchung erhobene klinische Befunde rechtfertigen die Verdachtsdiagnose MERRF-Syndrom. Um diesen Verdacht zu bestätigen, empfehlen sich die Durchführung einer Muskelbiopsie und eine anschließende Gömöri-Trichrom- oder Succinat-Dehydrogenase-Färbung der entnommenen Probe sowie genetische Analysen. Die genannten histologischen Untersuchungen ermöglichen die Darstellung Cytochrom-c-Oxidase-negativer Muskelfasern und rissiger roter Fasern, die der Krankheit ihren Namen verliehen haben. Für die genetischen Analysen können Blut-, Urin-, oder Speichelproben, Haarfollikel sowie Biopsieproben aus Haut oder Muskulatur verwendet werden. Der Nachweis der kausalen Mutation in der mitochondrialen DNA gilt als beweisend: Bei bestehendem MERRF-Syndrom sind Defekte der Gene MT-TF, MT-TI, MT-TL1, MT-TK oder MT-TP zu erwarten.

Wenn Blut- oder Liquoranalysen durchgeführt werden, so ergeben diese meist erhöhte Konzentrationen von Laktat und Pyruvat [10]. Insbesondere im Liquor sind auch erhöhte Proteinkonzentrationen zu messen [11]. Aufgrund der neurologischen Symptomatik wird nicht selten eine Magnetresonanztomographie des Kopfes realisiert und entsprechenden Aufnahmen lassen sich mitunter Hinweise auf einen Schlaganfall entnehmen, aber auch eine Hirnstamm- oder zerebelläre Atrophie sowie eine Kalzifizierung der Basalganglien kann mitunter festgestellt werden [13] [14] [15]. Anomalien im Herzrhythmus und in der Erregungsleitung stellen sich, wenn vorhanden, im Elektrokardiogramm dar. Die dilatative Kardiomyopathie wird echokardiographisch diagnostiziert.

Therapie

  • Als Probenmaterial dienen 5- 10ml EDTA-Blut . 5 Therapie Eine kausale Therapie des MERRF-Syndroms gibt es nicht.[flexikon.doccheck.com]
  • Therapie & Behandlung Bislang ist das MERRF-Syndrom unheilbar. Eine kausale Therapie existiert nicht. Supportive und symptomatische Behandlungen stehen zur Verfügung. Ziel dieser Behandlungen ist vorwiegend eine Verbesserung der Lebensqualität.[medlexi.de]
  • Therapie: Die Therapie von Erkrankungen durch POLG-Mutationen ist symptomatisch orientiert. Auf Valproat sollte bei der Behandlung von Epilepsien unbedingt verzichtet werden.[mitogen.de]
  • Claudia Catarino , Assistenzärztin am Friedrich-Baur-Institut in München, zum Thema „Leben mit mitochondrialen Erkrankungen – Aspekte aus medizinischer Therapie und Forschung“.[dgm.org]
  • Lebenserwartung und -qualität lassen sich durch eine optimale Therapie verbessern.[netdoktor.de]

Prognose

  • Eine Besserung der muskulären Symptomatik kann durch hochdosierte Coenzym Q10 ( Ubichinon ) erzielt werden. 6 Prognose Der Verlauf der Erkrankung ist letal . Die Prognose ist abhängig vom individuellen Verlauf.[flexikon.doccheck.com]
  • Die genaue Prognose hängt stark vom individuellen Krankheitsverlauf des Patienten ab. Komplikationen In erster Linie führt das MERRF-Syndrom zu einer stark ausgeprägten Muskelschwäche.[medlexi.de]
  • Bei einem Drittel der Fälle ist der rechte Ventrikel mitbetroffen, was mit einer ungünstigeren Prognose verbunden ist. Das TTS wurde selten bei ME beschrieben.[ch.universimed.com]
  • Mitochondriopathie: Krankheitsverlauf und Prognose Die ersten Beschwerden einer Mitochondriopathie zeigen sich je nach Syndrom meist im Jugend- oder frühen Erwachsenalter. Aber auch Säuglinge können bereits betroffen sein.[netdoktor.de]

Quellen

Artikel

  1. Molnar MJ, Perenyi J, Siska E, et al. The typical MERRF (A8344G) mutation of the mitochondrial DNA associated with depressive mood disorders. J Neurol. 2009;256:264–265.
  2. Wahbi K, Larue S, Jardel C, et al. Cardiac involvement is frequent in patients with the m.8344A>G mutation of mitochondrial DNA. Neurology. 2010;74:674–677.
  3. Naini AB, Lu J, Kaufmann P, et al. Novel mitochondrial DNA ND5 mutation in a patient with clinical features of MELAS and MERRF. Arch Neurol. 2005;62:473–476.
  4. Melone MA, Tessa A, Petrini S, et al. Revelation of a new mitochondrial DNA mutation (G12147A) in a MELAS/MERRF phenotype. Arch Neurol. 2004;61:269–272.
  5. Vastagh I, Gal A, Remenyi V, et al. A8344G mutation of the mitochondrial DNA with typical mitochondrial encephalomyopathy with lactic acidosis and stroke-like episodes syndrome. Ideggyogy Sz. 2011;64:399–403.
  6. Mancuso M, Orsucci D, Angelini C, et al. Phenotypic heterogeneity of the 8344A>G mtDNA "MERRF" mutation. Neurology. 2013;80:2049–2054.
  7. Peng Y, Crumley R, Ringman JM. Spasmodic dysphonia in a patient with the A to G transition at nucleotide 8344 in mitochondrial DNA. Mov Disord. 2003;18:716–718.
  8. Erol I, Alehan F, Horvath R, et al. Demyelinating disease of central and peripheral nervous systems associated with a A8344G mutation in tRNALys. Neuromuscul Disord. 2009;19:275–278.
  9. Vallance HD, Jeven G, Wallace DC, et al. A case of sporadic infantile histiocytoid cardiomyopathy caused by the A8344G (MERRF) mitochondrial DNA mutation. Pediatr Cardiol. 2004;25:538–540.
  10. Ozawa M, Goto Y, Sakuta R, et al. The 8,344 mutation in mitochondrial DNA: a comparison between the proportion of mutant DNA and clinico-pathologic findings. Neuromuscul Disord. 1995;5(6):483-488.
  11. Marotta R, Chin J, Quigley A, et al. Diagnostic screening of mitochondrial DNA mutations in Australian adults 1990-2001. Intern Med J. 2004;34(1-2):10-19.
  12. Finsterer J. Mitochondrial ataxias. Can J Neurol Sci. 2009;36(5):543-553.
  13. DiMauro S, Hirano M, Kaufmann P, et al. Clinical features and genetics of myoclonic epilepsy with ragged red fibers. Adv Neurol. 2002;89:217-229.
  14. Ito S, Shirai W, Asahina M, et al. Clinical and brain MR imaging features focusing on the brain stem and cerebellum in patients with myoclonic epilepsy with ragged-red fibers due to mitochondrial A8344G mutation. AJNR Am J Neuroradiol. 2008;29(2):392-395.
  15. Orcesi S, Gorni K, Termine C, et al. Bilateral putaminal necrosis associated with the mitochondrial DNA A8344G myoclonus epilepsy with ragged red fibers (MERRF) mutation: an infantile case. J Child Neurol. 2006;21:79–82.

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Zuletzt aktualisiert: 2018-06-21 15:37