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Pallister-Hall-Syndrom

Das Pallister-Hall-Syndrom (PHS) ist eine sehr seltene genetisch bedingte Erkrankung, die sich durch die Kombination aus Polydaktylie, Nageldysplasie, eine gespaltene Epiglottis und eine Neigung zur Entwicklung hypothalamischer Hamartome, die epileptische Anfälle verursachen können, kennzeichnet. Es handelt sich um eine kongenitale Kondition und erste Symptome sind bereits bei der Geburt erkennbar. Die Prognose hängt vom Schweregrad der Erkrankung ab: Während das PHS bei einigen Patienten einen milden Verlauf nimmt, leiden andere an einer schwerwiegenden, potenziell lebensbedrohlichen Erkrankung. Die Diagnose erfolgt zunächst klinisch und mithilfe der bildgebenden Diagnostik und wird dann molekularbiologisch bestätigt.


Symptome

Das PHS wurde vor etwa 40 Jahren erstmalig beschrieben. Es handelt sich um eine sehr seltene genetisch bedingte Erkrankung [1] [2] [3] [4]. Sie ist auf Mutationen im GLI3-Gen zurückzuführen, das auf dem kurzen Arm von Chromosom 7 gelegen ist. Das zugehörige Genprodukt greift in den Sonic-Hedgehog-Signalweg eine, wobei dieser in die Regulation der Zellreifung eine wichtige Rolle spielt [2] [4] [5]. In der Literatur finden sich vor allem Fallberichte, die auf eine familiäre Häufung bei autosomal-dominantem Erbgang schließen lassen [2] [4]. Die Symptome des PHS sind bereits beim Neonaten ausgeprägt und umfassen das folgende Spektrum [1] [2] [3] [4] [5] [6]:

  • Polydaktylie. Zusätzliche Finger auf der ulnaren bzw. fibularen Seite der Gliedmaßen sind ein wichtiger Hinweis auf das PHS.
  • Nageldysplasie. In der Regel geht die Polydaktylie mit einer Nageldysplasie einher.
  • Epiglottis bifida. Den meisten Patienten bereitet die gespaltene Epiglottis keinerlei Beschwerden, aber es wurde auch über einen lebensgefährlichen Verschluss der Atemwege und sogar über einen frohen Tod infolge ausbleibender Behandlung berichtet.
  • Hypothalamische Hamartome. Die Hamartome können beträchtliche Ausmaße annehmen und im Durchmesser mehrere Zentimeter messen. Sie lösen nicht selten ein Anfallsleiden aus. Besonders sogenannte "gelastische Anfälle" treten in Verbindung mit dem PHS auf: Die Betroffenen erleiden komplexe fokale Anfälle, die mit klonischen Zwerchfellkontraktionen einhergehen und bei denen der Eindruck entsteht, der Patient würde lachen. Darüber hinaus wurden die Hamartome mit einem Wachstumshormonmangel in Verbindung gebracht und mit einer Pubertas praecox. Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass manche Patienten trotz großer Hamartome weitgehend asymptomatisch bleiben. Dann wird auch von einem chirurgischen Eingriff abgeraten, der das Risiko eines iatrogenen Hypopituitarisus und weiterer Komplikationen birgt.

Darüber hinaus lassen sich bei PHS-Patienten mitunter Fehlbildungen des Urogenitaltraktes und des Verdauungssystems ausmachen, z.B. Nichtanlage, Aplasie oder Hypoplasie der Nieren, ektopische Nieren, Zystenbildung, Hydrometrokolpos oder Anus imperforatus. Skelettale Anomalie wie verkürzte Gliedmaßen wurden ebenfalls beschrieben [2] [4] [6].

Prominentes Hinterhaupt
  • Hinterhaupt kleiner Thorax mit dünnen Rippen, mitunter abnormale Lungenlappen, multiple Ossifikationszentren im Brustbein Skoliose, abgeflachte Halswirbel kurzer und breiter RadiusIn der Kernspintomographie eine Raumforderung in der Mittellinie hypothalamisch[de.wikipedia.org]

Diagnostik

Die Seltenheit des PHS ist wohl das größte Hindernis, wenn es darum geht, es in der Praxis als solches zu erkennen. Das Bewusstsein um die Erkrankung ist der Schlüssel zur frühzeitigen Diagnose.

Wenn die o.g. Symptome bei einem Neugeborenen festgestellt werden, ist zunächst eine familiäre Anamnese durchzuführen. Sporadische PHS-Fälle sind noch seltener und es ist daher wahrscheinlich, dass über ähnliche Symptome bei Familienmitgliedern berichtet wird. Es ist in Erfahrung zu bringen, wie sich die Erkrankung bei den Betroffenen entwickelt hat - seien es die jeweiligen Angehörigen oder der Patient selbst, wenn er nicht als Neugeborener präsentiert wird.

Was die Symptome des PHS betrifft, so sind Polydaktylie und Nageldysplasie im Rahmen der klinischen Untersuchung problemlos festzustellen und auch die Spaltenbildung im Kehldeckel kann so diagnostiziert werden. Um die Präsenz hypothalamischer Hamartome zu bestätigen bzw. deren Position und Größe zu charakterisieren, muss die bildgebende Diagnostik zum Einsatz kommen. Neben der kranialen Sonographie bietet sich hier vor allem die Magnetresonanz- und Computertomographie an. Eine nicht verkalkte Umfangsvermehrung ohne Kontrastverstärkung auf dem Boden des dritten Ventrikels ist typisch für das PHS. Sowohl in T1- als auch in T2-gewichteten Aufnahmen stellt sie sich isointens dar [2] [4].

Eine Bestätigung der Diagnose kann erfolgen, wenn mittels molekularbiologischer Methoden die kausale Mutation im GLI3-Gen auf Chromosom 7 nachgewiesen wird [2].

Therapie

  • Eine ursächliche Therapie des Pallister-Hall-Syndroms ist bis heute (2017) nicht bekannt.[flexikon.doccheck.com]

Prognose

  • Die Prognose hängt vom Schweregrad der Erkrankung ab: Während das PHS bei einigen Patienten einen milden Verlauf nimmt, leiden andere an einer schwerwiegenden, potenziell lebensbedrohlichen Erkrankung.[symptoma.com]
  • Prognose Solange nicht gegenteilige Befunde vorliegen, kann die Prognose als hervorragend gelten.[orpha.net]

Epidemiologie

  • ICD10 -Code: D33.0 2 Epidemiologie Das Pallister-Hall-Syndrom ist eine sehr seltene Erkrankung mit einer Prävalenz von etwa 1:1.000.000. 3 Ursache Das Pallister-Hall-Syndrom wird autosomal-dominant vererbt.[flexikon.doccheck.com]
  • Zusammenfassung Epidemiologie Bisher wurden etwa 100 Patienten beschrieben.[orpha.net]
Geschlechtsverteilung
Altersverteilung

Quellen

Artikel

  1. Azzam A, Lerner DM, Peters KF, Wiggs E, Rosenstein DL, Biesecker LG. Psychiatric and neuropsychological characterization of Pallister-Hall syndrome. Clin Genet. 2005; 67(1):87-92.
  2. Biesecker LG. Pallister-Hall Syndrome. In: Adam MP, Ardinger HH, Pagon RA, et al., eds. GeneReviews® [Internet]. Seattle (WA): University of Washington, Seattle; 1993-2017.
  3. Biesecker LG, Graham JM, Jr. Pallister-Hall syndrome. J Med Genet. 1996; 33(7):585-589.
  4. Kuo JS, Casey SO, Thompson L, Truwit CL. Pallister-Hall syndrome: clinical and MR features. AJNR Am J Neuroradiol. 1999; 20(10):1839-1841.
  5. Boudreau EA, Liow K, Frattali CM, et al. Hypothalamic hamartomas and seizures: distinct natural history of isolated and Pallister-Hall syndrome cases. Epilepsia. 2005; 46(1):42-47.
  6. Dericioglu N, Saygi S, Akalan N. Transcallosal endoscopic resection of hypothalamic hamartoma in a case with Pallister-Hall syndrome. Epileptic Disord. 2011; 13(2):209-213.

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Zuletzt aktualisiert: 2018-06-21 14:07