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Perikarditis

Herzbeutelentzündung (Perikarditis)

Perikarditis ist die Entzündung des Perikards, die durch eine Vielzahl von infektiösen und nichtinfektiösen Ursachen entstehen kann.


Symptome

Das typische Symptom der Perikarditis ist stechender, retrosternaler Schmerz, der in die Schultern und den Nacken ausstrahlen kann. Typischerweise wird der Schmerz durch das Sitzen und nach vorne beugen erleichtert und durch Rückenlage verschlechtert. Tiefe Inspiration, Husten und Niesen verstärken ebenfalls die Schmerzen.
In Abhängigkeit von der Ätiologie, können unspezifische Symptome wie Fieber, Schüttelfrost und Schweißausbrüche vorhanden sein.

Bei der Auskultation kann ein Reibegeräusch, das typischerweise mit dem Entstehen eines Perikardergusses verschwindet, festgestellt werden. Es ist am besten in Expiration mit nach vorne gebeugtem Patienten zu hören. Tachykardie kann ebenfalls vorhanden sein.

Perikardreiben
Tachykardie
Retrosternaler Schmerz
  • Symptomatik: Retrosternale Schmerzen, Fieber, Dyspnoe, Perikardreiben, ST-Hebungen im EKG.[eref.thieme.de]
Brustschmerz
  • Der Brustschmerz Thoraxschmerz perikarditisbedingter bei Perikarditis ist ähnlich stark dem ischämischen Brustschmerz bei Angina pectoris, jedoch erfolgt die Ausstrahlung häufiger in die Schulter oder den Rücken.[eref.thieme.de]
Perikarderkrankung
  • Die im Kindesalter häufigste Form der Perikarderkrankung ist der postoperative Perikarderguss, der Postkardiotomie-Syndrom nach einem kardiochirurgischen Eingriff auftritt und mit Fieber und EKG-Veränderungen in Form von Erregungsrückbildungsstörungen[eref.thieme.de]
Tachypnoe
  • Als Hauptsymptom der akuten Perikarditis zeigt sich oftmals ein stechender Schmerz hinter dem Brustbein, der typischerweise durch Liegen, tiefes Einatmen und Husten verstärkt wird und manchmal von Fieber und schneller Atmung (Tachypnoe) begleitet ist.[eref.thieme.de]
Belastungsdyspnoe
  • […] progrediente Belastungsdyspnoe/Orthopnoe, meist als Folge einer schweren Klappendestruktion mit konsekutiver Herzinsuffizienz durch akute Volumenbelastung,[eref.thieme.de]
Orthopnoe
  • […] progrediente Belastungsdyspnoe/Orthopnoe, meist als Folge einer schweren Klappendestruktion mit konsekutiver Herzinsuffizienz durch akute Volumenbelastung,[eref.thieme.de]
Nachtschweiß
  • Unspezifische Symptome stehen im Vordergrund: subfebrile Temperaturen, Kopfschmerzen, allgemeine Abgeschlagenheit, Belastungsdyspnoe, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Nachtschweiß oder auch Myalgien und Arthralgien.[eref.thieme.de]
Myalgie
  • Unspezifische Symptome stehen im Vordergrund: subfebrile Temperaturen, Kopfschmerzen, allgemeine Abgeschlagenheit, Belastungsdyspnoe, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Nachtschweiß oder auch Myalgien und Arthralgien.[eref.thieme.de]

Diagnostik

Laboruntersuchungen

  • Blutbild: Eine Erhöhung der Anzahl der Leukozyten kann häufig nachgewiesen werden.
  • Blutsenkungsgeschwindigkeit: Die Blutsenkungsgeschwindigkeit ist bei Perikarditis erhöht.
  • C-reaktives Protein: C-reaktives Protein ist ein Entzündungsmarker und kann bei Perikarditis erhöht sein.
  • Virus-Titer: Hohe Virustiter sind vorhanden, wenn die Perikarditis eine virale Ätiologie hat.
  • Tuberkulin-Hauttest: Dieser Test ist hilfreich bei der Diagnose von Herzbeutelentzündung, die durch Mycobacterium tuberculosis verursacht wird.
  • Antinukleäre Antikörper (ANA) und Rheumafaktor: Diese Faktoren können bei Autoimmunerkrankungen erhöht sein.

Elektrokardiographie

Das Elektrokardiogramm zeigt eine ST-Hebung [6]. Diese Veränderungen entwickeln sich durch die folgenden 4 Stadien [7]:

  • Stufe I: In dieser Phase gibt es eine diffuse Erhöhung des ST-Segments mit PR-Senkung.
  • Stufe II: Diese Stufe wird durch Normalisierung der ST- und PR-Segmente gekennzeichnet.
  • Stadium III: Es ist eine weit verbreitete T-Wellen-Inversion festzustellen.
  • Stufe IV: In der Stufe IV ist eine Normalisierung der T-Wellen vorhanden.

Bildgebung

  • Röngten: Ein Thoraxröntgen wird durchgeführt, um Anzeichen von Perikarderguss sowie zugrunde liegenden Herzerkrankung festzustellen.
  • Transthorakale Echokardiographie: Diese Untersuchung wird verwendet, um Perikarderguss, Herzbeuteltamponade oder Herzerkrankungen zu erkennen.
  • Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT): CT und MRT sind hilfreich bei der Diagnose der Krankheit, wenn andere Modalitäten keine schlüssigen Befunde ergeben.

Weitere Untersuchungen

Eine Perikardpunktion kann bei Verdacht auf eine bakterielle Genese zur Bestimmung des Erregers durchgeführt werden, maligne Zellen können ebenfalls so nachgewiesen werden.

Therapie

Die Ziele der Behandlung der akuten Perikarditis sind, Schmerzen zu reduzieren und die Entwicklung von Komplikationen zu verhindern [8]. Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAIDs) sind häufig das Mittel der Wahl für die Reduktion von Schmerzen und Entzündungen bei akuter Perikarditis [9]. Ibuprofen, Aspirin und Indometacin werden häufig verwendet. Die Dauer der Behandlung beträgt 1 bis 2 Wochen, jedoch im Falle von Rezidiven wird sie für bis zu 4 Wochen fortgesetzt. Da diese Medikamente eine Tendenz zu gastrointestinalen Nebenwirkungen haben, können sie in Kombination mit Misoprostol verwendet werden, um diesen negativen Effekt zu vermeiden.

Wenn der Schmerz bei Perikarditis nicht hinreichend durch die Verwendung von nichtsteroidalen Antirheumatika reduziert wird, können Kortikosteroide, wie Prednisolon, ebenfalls verwendet werden. Eine Dosis von 60 mg wird für 2 Tage verabreicht. Diese Dosis wird dann über einen Zeitraum von 2 Wochen langsam reduziert. Wenn Steroidtherapie vermieden werden muss, kann Colchicin für 3 Monate als alternative Ergänzung zu NSAIDs [10] gegeben werden. Es ist bekannt, die Symptome zu reduzieren und Rückfälle zu verhindern.

Prognose

Perikarditis ist meist eine gutartige, selbst limitierende Erkrankung mit sehr guter Prognose. Die Anzeichen und Symptome der unkomplizierten Perikarditis vergehen üblicherweise innerhalb von 1 bis 2 Wochen [4]. Rezidive treten bei bis zu 24% der Patienten, in der Regel innerhalb der ersten Woche nach der ersten Episode, auf. Bestimmte Komplikationen können die Dauer der Krankheit zu verlängern und können auch tödlich sein. Herzbeuteltamponade und Perikarditis constrictiva sind die Komplikationen dieser Erkrankung [5].

Ätiologie

Perikarditis kann durch eine breite Palette von infektiösen und nicht-infektiösen Ursachen entstehen. Zu den häufigen infektiösen Ursachen gehören Viren (wie Coxsackievirus, Echovirus und Adenovirus) und Mycobacterium tuberculosis [1] [2]. Andere, weniger häufige Ursachen sind grampositive und gramnegative Bakterien, Pilze (zB Blastomyces dermatitidis, Candida sp. und Histoplasma capsulatum). Parasiten wie Echinococcus können auch Perikarditis bewirken.

Die häufigste nicht-infektiöse Ursache der Perikarditis ist Myokardinfarkt, wobei sich die Erkrankung 1-4 Tage nach dem Infarkt entwickelt. Perikarditis kann auch durch Infiltration des Perikards durch maligne Zellen entstehen, etwa bei Lungenkarzinom, Brustkarzinom, Leukämien oder Lymphomen. Bestrahlung für die Behandlung dieser Krebserkrankungen kann auch zu Perikarditis führen.

Perikarditis kann im Rahmen von bestimmten Autoimmunerkrankungen wie Kollagenosen, systemischer Lupus erythematodes, Sklerodermie und rheumatoider Arthritis entstehen. Nierenversagen führt zu Urämie und kann auch eine Entwicklung von Herzbeutelentzündung verursachen [3]. Verschiedene Medikamente wie Doxorubicin, Isoniazid, Dantrolen, Rifampicin und Phenytoin sind weitere nicht-infektiöse ätiologische Faktoren. Andere Ursachen sind Thoraxtrauma und chirurgische Verfahren.

Epidemiologie

Es gibt nicht viele epidemiologische Daten über Perikarditis. Studien in verschiedenen Krankenhäusern haben ergeben, dass Perikarditis bei bis zu 5% der Patienten in der Notaufnahme mit Brustschmerz vorhanden ist.

Geschlechtsverteilung
Altersverteilung

Pathophysiologie

Perikarditis ist die akute oder chronische Entzündung des Herzbeutels. Es kann ein Perikarderguss unterschiedlicher Zusammensetzung auftreten.

Prävention

Perikarditis entsteht durch verschiedenste Ursachen und kann daher nicht durch spezifische Richtlinien verhindert werden. Angemessene persönliche Hygiene, Immunisierung und die Vermeidung von Risikofaktoren für Myokardinfarkt (wie Rauchen, ungesunde Ernährung usw.) sollten angewandt werden.

Zusammenfassung

Perikarditis ist eine Entzündung des Perikards - der bindegewebige Beutel, der das Herz und die Wurzeln der großen Gefäße umgibt. Sie kann aufgrund von Infektionen, Myokardinfarkt, Trauma, Bindegewebeerkrankungen oder bösartigen Erkrankungen auftreten. Perikarditis wird durch stechende retrosternale Schmerzen mit Ausstrahlung in den Nacken und Schultern charakterisiert und die Symptome verschlechtern sich in der Regel bei tiefem Atmen und Husten.

Die Prognose der Patienten mit Perikarditis ist sehr gut. Medikamente wie nicht-steroidale entzündungshemmende Medikamente, Steroide und Colchicin werden häufig in der Therapie der Erkrankung eingesetzt.

Patientenhinweise

Perikarditis ist die medizinische Bezeichnung einer Herzbeutelentzündung. Es gibt viele Ursachen für Perikarditis, in der Regel tritt sie aber aufgrund einer Infektion mit Viren oder als eine Komplikation eines Herzinfarktes auf. Zu den typischen Merkmalen der Perikarditis gehören Brustschmerzen, die auch im Hals oder den Schultern zu spüren sein können. Die Schmerzen nehmen bei Husten oder tiefen Atemzügen zu. Perikarditis hat in der Regel eine gute Prognose und wird durch den Einsatz von schmerzstillenden Medikamenten behandelt.

Quellen

Artikel

  1. Kawecka-Jaszcz K. [Pericarditis: classification, etiology, pathogenesis]. Folia medica Cracoviensia. 1991;32(1-2):15-22.
  2. Purtskhvanidze Ch G, Georgadze AS, Givishvili UA. [Exudative pericarditis of tuberculous etiology]. Problemy tuberkuleza. 1986(11):63.
  3. Frei D, Willimann P, Binswanger U. [Uremic pericarditis. Etiology and symptoms]. Deutsche medizinische Wochenschrift. Nov 23 1979;104(47):1660-1661.
  4. Ilan Y, Oren R, Ben-Chetrit E. Acute pericarditis: etiology, treatment and prognosis. A study of 115 patients. Japanese heart journal. May 1991;32(3):315-321.
  5. Habib G. [Acute pericarditis. Etiology, diagnosis, course, complications, treatment]. La Revue du praticien. Jan 1 1997;47(1):91-96.
  6. Hannibal GB. ECG characteristics of acute pericarditis. AACN advanced critical care. Jul-Sep 2012;23(3):341-344.
  7. Masek KP, Levis JT. ECG diagnosis: acute pericarditis. The Permanente journal. Fall 2013;17(4):e146.
  8. Le Roux A. [Acute pericarditis: etiology, diagnosis, course, complications and treatment]. La Revue du praticien. Nov 15 1999;49(18):2049-2052.
  9. Imazio M, Adler Y. Treatment with aspirin, NSAID, corticosteroids, and colchicine in acute and recurrent pericarditis. Heart failure reviews. May 2013;18(3):355-360.
  10. Cacoub PP. Colchicine for treatment of acute or recurrent pericarditis. Lancet. Jun 28 2014;383(9936):2193-2194.

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Zuletzt aktualisiert: 2019-07-11 19:49