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Porphyria variegata

PV

Porphyria variegata (PV) ist eine genetisch bedingte Erkrankung, die autosomal dominant vererbt wird. Ein teilweiser oder vollständiger Mangel des Enzyms Protoporphyrinogen-Oxidase (PPOX), das die Oxidation von Protoporphyrinogen zu Protoporphyrin katalysiert und damit eine bedeutende Rolle in der Synthese des Häms spielt, führt bei Betroffenen im Kindesalter zu dermatologischen, neurologischen und viszeralen Symptomen. Die Diagnose erfolgt über einen indirekten Nachweis einer verminderten Enzymaktivität.


Symptome

Ursache der PV ist eine Enzymdefizienz, nämlich die der PPOX. Die höchste PPOX-Aktivität besteht in der Leber, weshalb die PV als akute hepatische Porphyrie eingestuft wird, ebenso wie die Porphyria acuta intermittens, die hereditäre Koproporphyrie und der δ-Aminolävulinsäure-Dehydratase-Mangel [1].

Bei einer PPOX-Defizienz ist die Hämsynthese gestört, was zu Hautläsionen, neurologischen Defiziten und viszeralen Beschwerden führt, die zuerst im Kindesalter auftreten [1] [2] [3] [4] [5] [6]:

  • Charakteristische dermatologische Befunde sind Vesikulae und Bullae die aufplatzen und Erosionen und Ulzerationen hervorbringen. Über diesen bildet sich dann eine Kruste, aber der Heilungsprozess geht nur langsam voran. Prädilektionsstellen sind das Gesicht und die Hände, die meist mit unzähligen dieser Effloreszenzen übersät sind. Es wurde die Hypothese aufgestellt, dass die Präferenz für diese Körperbereiche aus einer stärkeren Exposition gegenüber dem Sonnenlicht resultiert.
  • Pigmentierungsstörungen - entweder als Hypo- oder Hyperpigmentation - eine übermäßige Körperbehaarung sowie eine Verdickung der Haut werden ebenfalls regelmäßig beschrieben.
  • Neurologische Störungen treten anfallsartig auf und umfassen Muskelschwäche und Lähmungen, Krampfanfälle, kognitive Störungen und mentale Alterationen. Die neuromuskulären Ausfälle können die Atemmuskulatur betreffen, was zum Tode führen kann. In diesem Zusammenhang ist über Mortalitätsraten von bis zu 10% für akute Schübe der PV berichtet worden.
  • Weitere Symptome der PV umfassen Müdigkeit und Fieber, Tachykardie, abdominelle Schmerzen, Erbrechen und Verstopfung.

Patienten, die homozygot für PPOX-Defekte sind, zeigen zudem Gedeihstörungen und ein vermindertes Wachstum.

Krampfanfall
  • Neurologische Störungen treten anfallsartig auf und umfassen Muskelschwäche und Lähmungen, Krampfanfälle, kognitive Störungen und mentale Alterationen. Die neuromuskulären Ausfälle können die Atemmuskulatur betreffen, was zum Tode führen kann.[symptoma.de]
Tachykardie
  • Weitere Symptome der PV umfassen Müdigkeit und Fieber, Tachykardie, abdominelle Schmerzen, Erbrechen und Verstopfung. Patienten, die homozygot für PPOX-Defekte sind, zeigen zudem Gedeihstörungen und ein vermindertes Wachstum.[symptoma.de]
Erbrechen
  • Weitere Symptome der PV umfassen Müdigkeit und Fieber, Tachykardie, abdominelle Schmerzen, Erbrechen und Verstopfung. Patienten, die homozygot für PPOX-Defekte sind, zeigen zudem Gedeihstörungen und ein vermindertes Wachstum.[symptoma.de]
Bauchschmerz
  • Vermehrte Photosensibilität Photosensibilität der Haut (Blasenbildung, Pigmentierung); Tachykardie, Hypertonie; kolikartige Bauchschmerzen Bauchschmerzen kolikartige , Obstipation; periphere Neuropathie (Paresen); Neurosen, Psychosen.[eref.thieme.de]
Nausea
  • Bei starkem, Stunden bis Tage anhaltendem kolikartigem Bauchschmerz (mit weicher Bauchdecke, Nausea, Obstipation, keine Entzündungszeichen), verbunden mit Tachykardie, Hypertonie, Hyponatriämie und evtl. rotbraunem Urin an akute Porphyrie denken![eref.thieme.de]
Hyperpigmentation
  • Pigmentierungsstörungen - entweder als Hypo- oder Hyperpigmentation - eine übermäßige Körperbehaarung sowie eine Verdickung der Haut werden ebenfalls regelmäßig beschrieben.[symptoma.de]
Kutane Manifestation
  • […] vorwiegend in Chile und Südafrika vorkommende Porphyrie-Variante mit sowohl neuroviszeraler als auch kutaner Manifestation Porphyria variegata (PV)[eref.thieme.de]

Diagnostik

Die Erkrankung wird autosomal dominant vererbt, weshalb eine gründliche familiäre Anamnese wichtige Hinweise auf die Diagnose liefern kann, vor allem wenn die Symptome im Einzelfall (noch) nicht vollständig ausgeprägt sind. Des Weiteren besteht bei Südafrikanern holländischer Abstammung ein erhöhter Verdacht auf PV, da in dieser Patientengruppe aufgrund eines Gründereffekts die Prävalenz sehr hoch ist [2] [3] [5]. Eine frühzeitige Diagnose kann lebensrettend sein, da die zuvor beschriebenen akuten Schübe durch eine adäquate Therapie unterdrückt oder doch zumindest gelindert werden können.

Bei PPOX-Defizienz akkumulieren die nicht verwerteten Substrate dieses Enzyms sowie Vorläufer und Metabolite derselben, die durch alternative Stoffwechselwege entstehen; gleichzeitig mangelt es an Produkten der katalysierten Reaktion. In Bezug auf PPOX bedeutet das, dass es zu einer Akkumulation und verstärkten renalen Ausscheidung von δ-Aminolävulinsäure und Porphobilinogen kommt, was über die Analyse von Urinproben gezeigt werden kann [5]. Auch Koproporphyrinogen und Protoporphyrinogen sammeln sich an und entsprechend erhöhte Konzentrationen in Stuhlproben weisen auf eine PV hin [2] [6]. Die genannten Untersuchungen sind von hoher Sensitivität während akuter Schübe, aber Normalbefunde zu anderen Zeitpunkten sind keine Seltenheit [2] [5] [6].

Pathognomonisch ist hingegen das Fluoreszenzemissionsspektrum des Plasmas nach Anregung bei 410 nm, das einen charakteristischen Peak bei 626 nm aufweist [2] [5] [6].

Wenn die bis hierher erhobenen Befunde den Verdacht auf eine PV bestärken, kann die Enzymaktivität in Lymphozyten gemessen oder zur Identifikation des kausalen Gendefekts eine genetische Analyse durchgeführt werden [4] [5] [6].

Therapie

  • Eine frühzeitige Diagnose kann lebensrettend sein, da die zuvor beschriebenen akuten Schübe durch eine adäquate Therapie unterdrückt oder doch zumindest gelindert werden können.[symptoma.de]

Prognose

  • Gute Prognose bei Vermeidung der Noxen (Medikamente, Alkohol, Sonnenlicht).[eref.thieme.de]

Quellen

Artikel

  1. Ramanujam V-MS, Anderson KE. Porphyria Diagnostics – Part 1: A brief overview of the porphyrias. Curr Protoc Hum Genet. 2015;86:17.20.1-17.20.26.
  2. Stojeba N, Meyer C, Jeanpierre C, et al. Recovery from a variegate porphyria by a liver transplantation. Liver Transpl. 2004;10(7):935-938.
  3. Christiansen AL, Aagaard L, Krag A, Rasmussen LM, Bygum A. Cutaneous Porphyrias: Causes, Symptoms, Treatments and the Danish Incidence 1989-2013. Acta Derm Venereol. 2016;96(7):868-872
  4. Besur S, Hou W, Schmeltzer P, Bonkovsky HL. Clinically Important Features of Porphyrin and Heme Metabolism and the Porphyrias. Fuller M, ed. Metabolites. 2014;4(4):977-1006.
  5. Longo DL, Fauci AS, Kasper DL, Hauser SL, Jameson J, Loscalzo J. eds. Harrison's Principles of Internal Medicine, 18e. New York, NY: McGraw-Hill; 2012.
  6. Horner ME, Alikhan A, Tintle S, Tortorelli S, Davis DM, Hand JL. Cutaneous porphyrias part I: epidemiology, pathogenesis, presentation, diagnosis, and histopathology. Int J Dermatol. 2013;52(12):1464-1480.

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Zuletzt aktualisiert: 2019-07-11 19:42