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Urachuszyste

Der Urachus verbindet die Harnblase mit dem Nabel und obliteriert normalerweise während der Embryonalentwicklung, sodass postnatal nur noch der Urachusstrang, das Ligamentum umbilicale medianum, zu finden ist. Bleibt jedoch an beliebiger Position entlang des Urachus ein flüssigkeitsgefüllter Raum zurück, dann spricht man von einer Urachuszyste. Beschwerden bereitet diese oft nur bei bestehender Infektion. Dann ist eine Resektion der Zyste angezeigt, um Rezidive zu vermeiden und dem Risiko einer malignen Entartung vorwegzugreifen.


Symptome

Eine Urachuszyste bereitet nur selten Beschwerden und wird häufig zufällig entdeckt, zum Beispiel während einer sonographischen Untersuchung des Abdomens. Die Patienten haben dann häufig schon das Erwachsenenalter erreicht. Es kann nicht in jedem Fall nochvollzogen werden, ob die Zyste seit der Geburt besteht oder ob sich ein abgegrenzter Raum im Urachusstrang erst zu einem späteren Zeitpunkt mit Flüssigkeit gefüllt hat.

Symptomatisch kann eine Urachuszyste werden, wenn sich eine Infektion oder andere Komplikationen einstellen. Die Tatsache, dass dies häufig ältere Kinder, Jugendliche oder gar Erwachsene betrifft [1], spricht für die Hypothese, dass eine Urachuszyste nicht unverändert seit der Geburt besteht. Symptome einer Infektion sind erhöhte Körpertemperatur oder leichtes Fieber und abdominelle Schmerzen. Im Rahmen der Entzündung kommt es zur Schwellung des umgebenden Gewebes, sodass die Zyste dann auch als abdominale Masse tastbar wird.

Wenn die Urachuszyste mit der Harnblase kommuniziert, dann treten die oben genannten Symptome möglicherweise im zeitlichen Zusammenhang mit einem Harnwegsinfekt auf. Die ursächlichen Bakterien können dann von der Harnblase in die Zyste aufsteigen. Umgekehrt kann eine Infektion der Urachuszyste Beschwerden wie Dysurie und Hämaturie hervorrufen. Wenn entzündliches Sekret über den Nabel und nicht über die Harnblase abgeleitet wird, dann werden die Patienten mit einem nässenden Nabel vorstellig [2]. Es sei erwähnt, dass die Urachuszyste per definitionem weder mit der Harnblase noch mit dem Nabel kommuniziert - die jeweiligen Diagnosen müssten dann Urachussinus und vesikourachales Divertikel lauten -, dass im Rahmen einer Infektion und zur Sekretdrainage eine solche Verbindung aber entstehen kann [2].

Bei manchen Patienten kommt es zur Ruptur der infizierten Zyste mit Drainage in den Peritonealraum, was eine Peritonitis zur Folge haben kann.

Nabelhernie
  • Differentialdiagnostisch zu berücksichtigen sind weitere, flüssigkeitsgefüllte Raumforderungen wie zum Beispiel Blasendivertikel, Abszesse und Hämatome, aber auch eine Nabelhernie, besonders wenn Teile der harnableitenden Organe im Bruchsack liegen, und[symptoma.com]

Diagnostik

Die Urachuszyste lässt sich mit Hilfe der bildgebenden Diagnostik darstellen. Je nach Größe und Lokalisation der Zyste genügt zur Charakterisierung der Läsion eine Sonographie; oft ist aber eine Computer- oder Magnetresonanztomographie erforderlich, um zu klären, zu welchen Strukturen eine Verbindung besteht [1] [3]. Sehr häufig ist eine Kommunikation zwischen der Urachuszyste und der Harnblase zu erkennen, manchmal auch zwischen der Zyste und dem Nabel. Wie oben beschrieben kann dann Sekret im Bereich des Nabels austreten, das auf seine Zusammensetzung untersucht werden sollte. Es ist zu eruieren, ob dieses "Sekret" neben Leukozyten und Pathogenen nicht auch harnpflichtige Substanzen und entartete Zellen enthält. Das Ablaufen von Urin über den Nabel ist nur bei einer gleichzeitig bestehenden Urachusfistel zu erwarten, d.h. bei einer durchgängigen Verbindung vom Genitaltrakt zum Nabel.

Differentialdiagnostisch zu berücksichtigen sind weitere, flüssigkeitsgefüllte Raumforderungen wie zum Beispiel Blasendivertikel, Abszesse und Hämatome, aber auch eine Nabelhernie, besonders wenn Teile der harnableitenden Organe im Bruchsack liegen, und Neoplasien. Die typische Urachuszyste stellt sich homogen flüssigkeitsgefüllt und frei von Verkalkungen dar. Einen wichtigen Hinweis auf die Diagnose liefert die Lokalisation der Zyste in der medianen Bauchwand, zwischen Nabel und Harnblase. Können nicht alle Zweifel an der Diagnose ausgeräumt werden, so kann eine diagnostisch-therapeutische Resektion mit anschließender Untersuchung des entfernten Gewebes erfolgen [3] [4] [5].

Therapie

  • Die Therapie besteht in der Exzision der Urachusfistel. Alternativ ist ein konservativer Versuch mit Katheterisierung der Harnblase und Abwarten des Spontanverschlusses möglich (Lipskar u.a., 2010). MRT einer Urachusfistel ( ).[urologielehrbuch.de]
  • Dieses Buch schult den Blick für anogenitale Dermatosen und gibt Tipps zur Therapie.[springermedizin.de]

Quellen

Artikel

  1. Kuriyama A. Infected urachal cyst in an adult. Emerg Med J. 2014; 31(5):368.
  2. von Schnakenburg LF, Cadosch D, Gautschi OP. [Infected urachal cyst in adulthood: case report and literature review]. Urologe A. 2010; 49(9):1176-1178.
  3. Pohlen U, Berger G, Borchert M, Buhr HJ. [Infected urachal cyst in an adult - a case report and review of literature]. Zentralbl Chir. 2002; 127(1):56-58.
  4. Klaassen I, Wolf M, Kemper MJ, et al. [Acute Kidney Failure Due to Urachal Cyst?]. Z Geburtshilfe Neonatol. 2017.
  5. Ruiz Lopez M, Flores Sirvent L, Mera Velasco S, Gonzalez Poveda I, Santoyo Santoyo J. Differential diagnosis of a cystic abdominal mass: malignant transformation of the urachal cyst. Cir Esp. 2014; 92(8):572-573.

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Zuletzt aktualisiert: 2018-06-21 15:50